Das liebe Geld

Eines der Themen, das in jeder stationären Einrichtung zur Behandlung von Glücksspiel vorkommt, ist das Geldmanagement. Viele verbinden dieses Thema schnell mit privater Insolvenz und Schuldenregulierung, aber Geldmanagement ist viel mehr als das.

Die meisten abhängigen Spieler verlieren im Laufe der Jahre ihren gesunden Bezug zum Geld – falls sie denn überhaupt jemals einen hatten. Ich empfand meinen Umgang mit Geld auch als kurios bis krankhaft. Auf der eine Seite verspielte ich ohne zu zögern 300€ – 1000€ im Monat bei völligem Kontrollverlust. Gleichzeitig konnte ich in den selben Monaten bei meinen Minimaleinkäufen im Penny an der Kasse auf den Cent sagen, was mich der Einkauf kosten würde, und das ohne ein einziges Preisschild beachtet zu haben.

Dieses Verhalten führt letztendlich dazu, dass man sich immer weniger wertschätzt. Die großen Verluste beim Spielen verschafften mir Leid und Selbstzweifel. Es war mir egal, ob ich an einem Tag 40€ verspielte oder 400€. Zusätzlich war ich nicht in der Lage, mir etwas zu gönnen oder gut zu mir selber zu sein. Selbst wenn ich am Ende eines Tages noch genügend Geld übrig hatte, gab es dann Toast, Nudeln, Billigschinken und Ketchup. Klar, meine allgemeine wirtschaftliche Lage ist auch heute in spielfreien Zeiten noch ziemlich schwierig. Aber ich habe gelernt, mir an den richtigen Punkten auch mal etwas zu kaufen, was den finanziellen Rahmen ein klein wenig sprengt. Das macht einen Tag dann zu etwas besonderem und ich zeige mir selbst, dass ich mir das wert bin.

Natürlich muss jeder selber einschätzen, wie diese Highlight-Käufe aussehen können. Für den Einen ist es vielleicht ein Wochenend-Urlaub, beim Nächsten eine neue Jeans, obwohl sie eigentlich nicht nötig ist und bei mir ist es dann vielleicht das 250g-Rumpsteak vom Gourmet-Fleischer um die Ecke.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Geldmanagement ist der angemessene Umgang mit Geld, denn es ist das Suchtmittel eines Spielers. Viele Spieler tragen so viel Geld wie möglich mit sich herum. Das ist auch etwas, was sich bei mir während meiner Spielerzeit einschlich. „Es könnte ja sein, dass ich noch etwas wichtiges bezahlen muss.“ wurde einer meiner Top-Ausreden, die ich mir selbst vorschwafelte. Ich hätte auch sagen können: „Es könnte ja sein, dass ich heute noch ’ne Stunde Zeit habe, spielen zu gehen.“

Heute versuche ich immer darauf zu achten, möglichst wenig Geld dabei zu haben. Selbst wenn das bedeutet, dass ich dreimal in einer Woche zur Sparkasse muss. Wenn mir beispielsweise plötzlich auffallen würde, dass ich 200€ in meinem Portemonaie habe, dann würde ich mich (hoffentlich! 😉 ) sofort hinterfragen. Mehr als 30 oder 40€ habe ich außerhalb meiner Sucht sehr selten benötigt. Warum trage ich also so viel Geld mit mir herum?

Natürlich kommt es auch mal dazu, dass ich unerwartet etwas finde, was ich mir kaufen möchte. Aber dann kann ich so gut wie immer mit Karte bezahlen. So habe ich mich im Laufe der Jahre von meinem eigenen Image befreit – dem Klaus mit dem dicken schweißigen Geldbündel in der Tasche.

Zu guter Letzt möchte ich noch mit einem kleinen Mythos aufräumen, der unter Spielern, die das erste Mal Therapie machen, gerne aufkommt. Die Abgabe aller Verantwortung für die eigenen Finanzen an Familie oder Freunde und sich jedweden Zugang zu Geld zu verwehren ist keine mittel- oder langfristige Lösung der Spielproblematik. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man es sich zu leicht macht wenn man glaubt, nur diese eine Veränderung würde Probleme lösen, die man vielleicht schon sein halbes Leben mit sich herumträgt. Wenn es hart auf hart kommt, findet ein Spieler immer einen Weg um spielen zu gehen. Aber was ich noch viel wichtiger finde ist, dass gerade in schwierigen Zeiten die Beziehungen zu geliebten Menschen, an die man die Verantwortung abgegeben hat, unter große Belastung geraten.

Der Spieler selbst fühlt sich auf lange Sicht häufig gedemütigt, weil er wegen jedem noch so kleinen Wunsch um Geld bitten muss. Wenn es dann auch noch zu Diskussionen kommt (vielleicht sogar, weil der Spieler Spieldruck hat), führt das langfristig zu Stress, der zusätzlich Vor- und Rückfälle begünstigen kann. Um diesem Stress vorzubeugen ist es häufig sehr hilfreich, sich in regelmäßigen Abständen zusammensetzen. Wenn sich der Spieler und der Verantwortliche aufrichtig und offen begegnen und die aktuellen finanziellen Situationen gemeinsam besprochen werden, können unterschwellige Spannungen und Konflikte abgebaut oder verhindert werden.

Ich möchte mit diesem Statement nicht grundsätzlich ausschließen, dass es Fälle gibt, in denen dieses Vorgehen auch langfristig zum Erfolg führt, aber meine Erfahrung ist eine andere. Kurzfristig ist es ein geeignetes Mittel, um nicht in Versuchung zu geraten und sich zu stabilisieren. Ich habe das auch gemacht. Aber grundsätzlich ist es notwendig, eigenverantwortlichen Umgang mit Geld zu erlernen um Zufriedenheit und Selbstbewusstsein zu gewinnen.

Ich bin seit über fünf Jahren in einer privaten Insolvenz und kenne mich im Thema Geldmanagement gut aus. Falls es unter meinen Lesern weitere Fragen zu dem Thema gibt, bin ich gerne bereit, auf diese einzugehen. Hinterlasst mir einfach einen Kommentar zu diesem Beitrag.

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